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Wings for Life World Run 2016 - Wien

08:06:00Tobias Prinz


Hallo liebe Läuferfreunde und solche die es noch werden wollen!
Mein Name ist Thomas und ich bin stolzes TEAM-Mitglied der Pace Pack Runners und möchte euch hier kurz von meinem ersten Lauf als Mitglied eines Teams berichten.

Vorher ein paar kurze Worte zum Event. Der Wings for Life World Run ist ein Lauf, der zur exakt selben Zeit, 11:00 UTC, auf der ganzen Welt in insgesamt 33 Nationen startet. Er ist ein Charity Lauf, bei dem alle Startgelder und Spenden 1zu1 an die Rückenmarksforschung gehen zur Heilung von Querschnittslähmung. Aus diesem Grund sind bei diesem Lauf auch Rollstuhlfahrer mit am Start. Denn wir alle Laufen für die, die nicht laufen können! Wenn euch das noch nicht überzeugt hat, nächstes Jahr selbst mitzulaufen, dann vielleicht die Art und Weise wie dieses Rennen abläuft.
Um 11:00 UTC, hierzulande also 13:00, starten die Läufer. Soweit noch alles normal. Das Interessante ist das Ziel. Das Ziel ist nämlich keine einfache Linie irgendwo auf der Straße, mit großem Drumherum und Moderator, kreischende Mengen etc.
Nein die Ziellinie ist ein Auto, das 30 Minuten später, ebenfalls Weltweit zur selben Zeit, losfährt und die Läufer überholt. Zu Beginn mit 15km/h, wird das sogenannte „Catcher Car“ zu jeder Stunde schneller. Das geht so lange bis alle Teilnehmer eingeholt wurden. Bist du also vor dem Auto, heißt es nochmal Gas geben um noch ein paar Meter zu schaffen.Ein absolutes Highlight!
Bisheriger Rekord liegt bei 79.9km. Das bedeutet das dieser gebürtige Äthiopier, der mittlerweile österreichischer Staatsbürger ist, 5:06h mit einer Durchschnittlichen Pace von 3:49min/km gelaufen ist.

Nun zum heutigen Tag!

Leider ging ich nicht ganz fit an den Start, da ich seit einem Monat wegen einer Entzündung im Vorfuß und dem 2. und 3. Zehenstrecker Zwangspausiere und eigentlich immer noch nicht bereit gewesen wäre. Aber ich freue mich schon seit über einem Jahr auf meinen ersten World Run und da muss man halt durchbeißen.
Also hieß es um 6 Uhr Tagwache und 7 Uhr Abfahrt nach Wien. Um ca. 10:15 am Wiener Karlsplatz bei Traumhaften Wetter angekommen, erstmal orientieren und die Startnummernausgabe suchen. Dieses Unterfangen gestaltete sich leichter als gedacht. Kaum aus der U-Bahn Station draußen, steht schon der erste Infostand. Bei knapp 14.000 Teilnehmern habe ich schlimmstes bei der Ausgabe befürchtet. Doch ich war positiv überrascht. Grob geschätzte 10 Ausgabestellen, nach Startnummer sortiert. Ich musste nicht einmal anstehen, sondern war sofort dran und bekam erstmal nur die Startnummer.
Dann gab es noch eine Stelle für das Starter T-Shirt, welches ein qualitativ gutes Funktionsshirt von Puma war, welches ich zwar schnell bekam, aber hier dafür sehr enttäuscht war. Bei der Anmeldung wurde nach der Größe gefragt. Ich habe M angegeben, aber es gab nur mehr L. Da ich relativ klein bin, glich das Shirt eher einem Nachthemd und ist somit für mich unbrauchbar. Das finde ich schade, kann man aber jetzt auch nichts mehr machen.
Weiter ging es dann wieder Richtung Ausgang. Beim Ausgang wurde dann jedem das Goodie Bag gereicht. Inhalt war überschaubar. Positiv war das beinahe komplette Fehlen von zig Werbekarten und Mini-Proben. Inhalte waren:


  • eine Sport Zeitschrift,
  • ein 0,5l Vöslauer ohne,
  • ein 0,5l Isotonic,
  • ein ServusTV Regenponcho,
  • eine Alu-Rettungsdecke (bei Schlechtwetter und Kälte sicher ein Gewinn vor dem Start),
  • ein 15% Gutschein für Giga Sport,
  • eine Dankeskarte
  • eine Infokarte vom Lauf,
  • und als einzige Werbung eine Karte vom Wachauerlauf
Leider habe ich im Nachhinein gehört dass einige keine Goodie Bags mehr bekommen haben. Sollte meiner Meinung nach nicht passieren.Soweit so gut. Ich hatte meine Startnummer, Shirt und Goodie Bag. Dann mal zur Garderobe. Diese war ums Eck und Top organisiert! Auch hier gab es wieder mehrere Abgabestellen für das Startersackerl. Diesmal jedoch nicht nach Startnummer sortiert sondern man konnte es irgendwo abgeben, man bekam einen kleinen Sticker mit einer Ziffer auf die Startnummer geklebt und das wars. Auch hier null Wartezeit. 
Mittlerweile war es erst 10:45. Ging also trotz so vielen Teilnehmern sehr viel schneller als erwartet. Dann sehen wir uns mal im „Partner Village“ um. Neben diversen Street Food Angeboten hatten natürlich auch die Sponsoren ihre Zelte aufgeschlagen. Was mir sehr gut gefallen hat, war die Möglichkeit sich mit dem Catcher Car fotografieren zu lassen und das Foto direkt mitnehmen zu können. GRATIS versteht sich ;-)
An der Spitze des Karlsplatzes waren dann die große Videowall, eine kleine Bühne und ein kleiner BMX Parkour aufgebaut. Auf der Videowall konnte man interessante Infos über den Lauf weltweit, einzelne Teilnehmer, Pacemaker usw. sehen. Während des Laufs konnten die mit angereisten Angehörigen das weltweite und lokale Geschehen verfolgen. Auch sehr toll gemacht, war während des Laufs eine kleine Animation mit Geschicklichkeitsspielen und Basteleien für die Töchter, Söhne, Neffen, Nichten, usw. der Teilnehmer.
Wir schreiben nun 12:00 und die Startblöcke werden frei gegeben. Nur noch eine Stunde bis zum Start. Langsam aber sicher füllen sich die Startblöcke. 4 Blöcke gab es an der Zahl. Orientieren musste man sich über seine HM bzw. M Zeiten. Ich war zB. in Block 2 für Läufer mit HM Zeiten von 1:45 bis 2:15. Auch wenn ich wie gesagt nicht ganz fit war, war ich mir sicher diese Pace zu schaffen, vor allem da ich mit dieser Pace keinen HM laufen muss bis ich Überholt werde.


Leider waren hier nicht alle so ehrlich zu sich selbst was zu einigem Ärger führen sollte, aber dazu später mehr. Die letzten 15min vor dem Startschuss. Block 2 geht im wahrsten Sinne des Wortes über. Der Block ist voll und beim Eingang zum Block quellen links und rechts geschätzte ca. 100-200 Läufer, inkl. mir,  heraus. Aber egal. Die Stimmung ist toll. Als Zeichen für die Nationalität der Location Wien, wird eine riesige Österreichische Flagge über die Startblöcke von vorne bis hinten durchgereicht. Und als Zeichen für ein Weltweites Event wird eine riesige Blaue Erdkugel durch die Blöcke geworfen. Die letzten Sekunden. Die Fenix 3 ist bereit und ich bin es ja sowieso.
Und dann kommt der Startschuss. Nichts passiert. Erst ca. 3min später beginnt sich das Feld vor mir zu bewegen. Langsam aber doch. Jetzt bemerkt man so richtig was 14.000 Teilnehmer bedeutet. Ungefähr 5min nach Startschuss überquere ich den Start. Das war das erste Zeichen dafür dass meine Ziellinie früher kommen wird als erhofft. Bei einer Zielpace von ~6min/km ist das immerhin knapp 1km früher, denn das Catcher Car fährt ja deshalb nicht 5min später los sondern wie geplant um 13:30. Aber da dies ein einzigartiger Event ist, bei dem es in allererster Linie um die Wohltätigkeit geht, kann man darüber hinweg sehen. Außerdem lernt man dadurch dass man sich nächstes Mal doch lieber weiter vorne einreiht.
Ich habe also die Startlinie überquert und hänge mich an den 15km Pacemaker, bzw. versuche mich ihm zu nähern. Hier kommt das nächste große Problem zu Tage. Die vorhin angesprochenen Läufer die sich selbst wohl etwas großzügig einschätzen. Es waren so viele Teilnehmer auf engstem Raum die eine Pace von maximal 6:30. Es war ein Slalom und Hindernislauf. 4km lang habe ich versucht an den Pacemaker heran zu kommen. Ohne Erfolg. Nach 4km kam die 1. Labe Station. Chaos pur. Viel zu wenig Mitarbeiter, auf viel zu kleinem Raum, für eine solche Masse an Läufern. Um etwas zu trinken zu bekommen, musste man hinter die Station laufen, sich selbst einen Becher schnappen und in die Wäschewanne mit dem Wasser tauchen, in dem kaum welches drin war, weil die Mitarbeiter einfach nicht hinten nach kamen mit dem nach schenken. Obwohl ich normalerweise keine Labe benötige, ich aber  leider vorher zu wenig getrunken hatte, es mittlerweile bereits über 20° im Schatten hatte und den Monat Laufpause natürlich auch noch stark spürte, musste ich mir das antun. Damit war dann auch der 15km Pacemaker über alle Berge.
Deshalb hab ich mir dann einfach mein Tempo gesucht und bin weiter gelaufen. Die Strecke war größtenteils eben, abgesehen von kurzen Passagen die leicht bergab und bergauf gingen. Es ging vorbei an wunderschönen Plätzen und Gebäuden, der Donau entlang und jeder hatte Spaß am Sport. Was besonders schön zu beobachten war, wenn ein Rollstuhlfahrer, welche größtenteils im letzten Startblock losfuhren, vorbei kam wurde von allen Läufern applaudiert und angefeuert. Natürlich je weiter man kam, umso weniger wurden die Jubelrufe aufgrund der gesteigerten Ermüdung. 
Immer wieder fand ich mich in einem kurzen Gespräch mit anderen Läufern wieder und musste feststellen dass jeder von dem Event begeistert war. Es waren durchwegs nette Leute, und eine sehr entspannte Atmosphäre. 
Knapp 11km geschafft, meine Zehen schmerzen langsam etwas mehr, höre ich plötzlich wiederholtes Hupen hinter mir. „Oje“ dachte ich mir. Das Catcher Car ist schon da. Noch etwas entfernt, kommt es mit 15km/h aber immer näher. Ich sehe die 11km Marke und denke mir nur „Die 12km WILL ich noch schaffen“. Was bleibt mir also anderes übrig als Vollgas zu geben. Doch leider denken nicht alle so. Man merkt einen durchwegs schnelleren Schritt in der Masse, aber von Vollgas ist nur vereinzelt etwas zu bemerken. Da immer noch extrem viele Läufer hier sind, zeigt sich dasselbe Problem wie zu beginn. Slalomlaufen. Rauf auf den Randstein, in die Wiese, wieder runter auf die Straße, links vorbei, rechts vorbei. Das frisst Zeit und Tempo. 15km/h laufen ist so leider unmöglich und ich muss mich geschlagen geben. Das einzige was ich noch machen kann, ist mein Handy raus zu holen und ein Selfie mit dem Catcher Car machen während es mich bei 11,36km überholt.
Einerseits weiß ich dass ich zufrieden bin mit meiner Leistung in meinem derzeitigen Fitness- und Gesundheitszustand, andererseits ärgere ich mich darüber das ich die 12km Marke nicht mehr erreicht habe und will wissen ob ich es bei freier Bahn am Ende des Rennens noch geschafft hätte.
Dann denke ich aber nach und rechne mir die 5 min zu Beginn dazu. Die 12km hätte ich regulär also geschafft. Wenn auch nicht offiziell, aber es bringt mir ein lächeln ins Gesicht.


Das Rennen ist zu Ende und ich bin irgendwo in Wien. Auto am anderen Ende der Stadt. Hier zeigt sich wieder die tolle Organisation des Events. Denn mit der Startnummer fährt man den ganzen Tag in Wien mit allen Öffis GRATIS. Sogar über die Taxi-App „UBER“ bekommt man heute 15€ gut geschrieben. Das hat nicht mal der einheimische, international riesige Wien Marathon geschafft.
Also ab zur nächsten U-Bahn und zurück zum Karlsplatz. Für all jene die weiter als 24km gekommen sind, gibt es einen Shuttle Service da ab hier keine Öffis mehr unterwegs sind. Dazu kann ich nur einen dicken Daumen nach oben geben.
Zurück angekommen am Karlsplatz erfahre ich dass immer noch rund 2000 Teilnehmer in Wien unterwegs sind. Unglaublich! Für alle die schon hier sind und es sich vor der Videowall gemütlich machen gibt es noch diverse Showeinlagen wie eine beeindruckende BMX Show. Es wird also auch abseits des Laufens sehr auf das tolle Ambiente und die Unterhaltung wert gelegt.


Nach 5:30h war auch dieses Jahr das Event vorbei. Weltweiter Sieger war mit einem neuen Rekord
G. Calcaterra aus Italien mit unglaublichen 88,44 km. Durchschnittspace 3:45min/km.

FAZIT des Tages:

Organisation des Events ist bis auf ein paar Kleinigkeiten die absolut ignoriert werden können wirklich TOP! Die Strecke ist zwar aufgrund der riesigen Teilnehmerzahl eng aber wunderschön. Das Ambiente und die Teilnehmer sind wirklich mitreißend und machen riesen Lust auf nächstes Jahr. Ich bin nächstes Jahr bestimmt wieder dabei. Vielleicht an einem anderen Ort mit weniger Teilnehmer, aber auf jeden Fall bin ich dabei!


 


 

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